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Offener Brief an Landesregierung

12. März 2021

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,
sehr geehrte Damen und Herren der Landesregierung,

wir sprechen als Einzelhändler für mittelständische Unternehmen mit tausenden Mitarbeiter:innen aus dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Unsere Unternehmen zeigen seit Beginn der Krise, dass wir bereit sind, Verantwortung und tiefe Unterstützung für den Schutz und die Gesundheit der Menschen zu übernehmen.

Unsere Haltung ist und war von Anfang an: „Es darf nicht gespalten werden, sondern wir müssen es alle gemeinsam schaffen, diese Krise zu überwinden“.

Aber es ist nicht in erster Linie die Pandemie die uns zu schaffen macht, sondern der politische Umgang mit uns Betroffenen und ein beschämendes Krisenmanagement unserer Landesregierung.

Alle Gutachten – zuletzt auch das Gutachten des Robert Koch Instituts – belegen, wie gering die Ansteckungsgefahr im stationären Handel ist. In keinem unserer Läden kam es nach unserem Wissen in den vergangenen 12 Monaten zu einer Ansteckung unserer Mitarbeiter:innen oder Kunden:innen durch den Aufenthalt in unseren Geschäften.

Unsere Hygienemaßnahmen sind überdurchschnittlich: Von Luftfilter bis permanentem Luftaustausch, über die gängigen Hygienevorschriften gar nicht zu sprechen. Es wäre aus der Sicht vieler Mitbürger:innen sehr wünschenswert, wenn unsere Regierung diese Standards auch in den Bereichen vorgenommen hätte, für die Sie verantwortlich ist, wie zum Beispiel den Schulen. Damit könnten unsere Kinder und Lehrer wieder schneller und beruhigter in die Schule gehen.

Sie aber schließen unbefristet und im Gießkannenprinzip unsere Türen, nehmen uns unsere Existenzgrundlage und unsere wirtschaftliche Solidität und sorgen gleichzeitig dafür, dass beliebig ausgewählte Mitbewerber „unsere Umsätze“, „unsere Kundschaft“ und damit „unsere Zukunft“ übernehmen.

Sie zerstören mit ihren, nicht mehr nachvollziehbaren Verordnungen und ihrem Missmanagement, die Vielfältigkeit und die Herzen unsere Städte, welche aus einer Vielzahl leidenschaftlichen und vielfältigen Einzelhandelsbetrieben, Gastronomie und Hotellerie und vielen innovativen mittelständischen Unternehmen unterschiedlichster Branchen bestehen.

Unsere tapferen Mitarbeiter:innen sind zum überwiegenden Teil fünf der vergangenen 12 Monaten in Kurzarbeit. Wir sind trotz des Lockdowns tagtäglich im Gespräch mit unseren „Hohenlohern“, unseren Mitarbeiter:innen, unseren Kund:innen und Freunden unserer Häuser, die ebenfalls den Lockdown tagtäglich in Schulen, in der Familie und am Arbeitsplatz erleben. Viele dieser Menschen sind durch die Mehrfachbelastung, durch die von Ihnen vorgegebene Perspektiv- und Hoffnungslosigkeit am Ende Ihrer Kräfte – körperlich und seelisch.

Das Alles ist so nicht länger tragbar. Die fleißigen und tapferen Menschen in unserer Region haben wahrlich Besseres verdient.

Nach Ihrer Entscheidung in der letzten MPK, laut dieser es nun verwirrende Öffnungsmöglichkeiten gibt, bleibt unser Landkreis aufgrund der hohen Inzidenzzahlen weiterhin geschlossen.

So freuen sich unsere Mitbewerber in den benachbarten Kreisen, dass sie öffnen dürfen, aber auch sie schauen genauso angstvoll auf die täglichen Inzidenzen, denn leider ist ihre einzige Antwort auf erhöhte Inzidenzwerte, die Schließung von bestimmten Teilen des Einzelhandels und der bereits genannten anderen Branchen.

Dass die Zahlen in unserer Region so hoch sind, liegt unseres Wissens nach, an den Hotspots in einigen wenigen Betrieben sowie öffentlichen Einrichtungen.

Löschen Sie das Feuer da, wo es entsteht. Sorgen Sie durch zusätzliche Schutzmaßnahmen, wie:

  • regelmäßige Schnelltests,
  • schnellere und zuverlässigere Versorgung von Impfzentren mit Vakzinen für alle Bürger:innen, die das gerne möchten,
  • Digitalisierung unserer Gesundheitsämter zur schnelleren Nachverfolgung und
  • Luftfilter für unser Schulen.

für eine lösungsorientierte Entspannung der derzeitigen Situation.

Und zwar nicht erst in 4 Wochen, sondern schon ab Morgen! Sie haben lange genug Zeit gehabt.

Öffnen Sie bitte endlich die Branchen und Betriebe, die kein Pandemierisiko sind und auch nie eines waren und halten sie diese dauerhaft offen. Durch deren weitere Schließung werden sie nichts erreichen, außer einer weiteren Schwächung unserer Wirtschaft und des Mittelstandes. Wir fordern Chancengleichheit für alle.

Viele Menschen nutzen nach knapp drei Monaten Lockdown ihre Mobilität, wie Sie deutschlandweit in den letzten Wochen gesehen haben. Durch Ihren Flickenteppich, die Beschränkung einzelner Bereiche und Regionen, provozieren Sie, dass sich Menschen geballt treffen. Dies wird zu erhöhten Infektionen führen.

Wir alle, die betroffene Unternehmen, tausende Mitarbeiter:innen, tausende Kund:innen und viele Menschen in unserem Land haben trotzdem solidarisch den Kurs der Landesregierung mitgetragen und so unseren gesamtgesellschaftlichen Beitrag zur Überwindung der Pandemie geleistet. Aber sie lassen uns im Stich.

Geben Sie uns eine Perspektive: Für unsere Mitarbeiter:innen, für unsere Kinder, für unsere Unternehmen, für die ganze Bevölkerung. Fangen Sie endlich an zu handeln, damit Ihre Bürger:innen hinter Ihnen stehen und sie diese nicht verlieren!

Mit freundlichen Grüßen,

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